St. Magdalenenkapelle

St. Magdalenen Kapelle beim Rinderlehof in Staufen

St. Magdalenenkapelle

Nach Ihrer Rückkehr vom Kreuzzug schenken Gottfried, Werner und Otto von Staufen, wie im Lazaritenorden in Jerusalem gelobt, Kirche und Hof in Schlatt zur Einrichtung eines Lazaritenklosters für die Pflege Leprakranker. Die Schenkung wird besiegelt. In dieser Zeit ist die Lepra, auch “Aussatz” genannt, in Europa weit verbreitet und die meisten Städte haben Leprosenspitäler zur Isolierung der Kranken eingerichtet. Zu diesen Gutleuthäusern gehören Äcker und Gärten für die Selbstversorgung und eine Kapelle mit Friedhof, gestiftet von “Guten Leuten”. Mit Mauern eingefriedigt liegen sie an einer Landstraße, wo die Leprosen, auch als “Sondersiechen” bezeichnet, Almosen erbetteln können.

Obwohl bis jetzt durch keine Urkunde bestätigt, muss man annehmen, dass diese Einrichtung in Staufen im 13. Jh. bestanden hat und zwar beim heutigen Rinderlehof und mit Kapelle. Es ist nicht sicher, ob die Kapelle immer der St. Magdalena geweiht war. Die Leprosenkapelle in Schlatt z. B. war erst dem Lazarus und bald dem Sebastian geweiht.

Die Staufener Leprosen waren auch im Besitz der Gotthardkapelle und dem dazugehörigen Bruderhaus, seit wann ist unbekannt. Wenn das untere Kirchlein durch Kriegseinwirkung zerstört war, mussten sie zum Gottesdienst den weiten Weg hinaufgehen.

verzeichnete der Gutleutpfleger Michael Lüprand eine Stiftung von 200 Goldgulden. Von diesen und dem angesammelten Kapital konnte die Kapelle neu aufgebaut werden. Der Türsturz trägt die Jahreszahl 1586. Aus dieser Bauphase könnte auch die ältere Bemalung der Innenwände stammen. Sie passt von Stil, Sprache und Schrift in diese Zeit. Das Bild des knienden Gutleutpflegers Baltzer Beisel an der Eingangswand, der sich als Erbauer angibt, gehört dazu. Das zeigt auch ein Foto von 1960, nach der Freilegung durch das Ehepaar Brodwolf, noch ohne die späteren Retuschen. Der Restaurator Eberhard Grether bestätigt, dass diese Darstellung Beisels mit dem Kruzifix in die gleiche Malschicht gehört wie die großen Apostelgestalten mit den ihnen zugeordneten Sprüchen aus dem Glaubensbekenntnis und mit ihren Namen darüber. Das alles ist eingefasst in eine Architekturmalerei der Renaissance.

Um 1600 muss das Leprosenhaus zerstört worden sein, z. B. durch Brand; denn Georg Leo, der letzte der Freiherren von Staufen, schreibt an den Bischof von Konstanz, dass die Sondersiechen etliche Wochen deswegen in dem Kirchlein hätten schlafen müssen. Er bittet, dieses wieder für den Gottesdienst zu weihen, damit die “Zuerbauerung dieser Kirchen” wie auch die Einweihung derselben nicht vergeblich gewesen seien. Das heißt, auch die Kapelle war kurz vorher wieder erneuert.

St. Magdalenenkapelle

Die Lepra war um 1700 in unseren Breiten stark zurückgegangen. Das Staufener Leprosenhaus stand von bis leer. Das Vermögen war angewachsen. In dieser Zeit 1722 wurde unter Erhalt der gotischen Giebelform das Dach neu gemacht, wie man durch die Holzalter-Bestimmung (Dendrochronologie) feststellen konnte. 1729 wurde ein Magdalenenaltar aufgestellt, die Fenster an den Langseiten verändert und an diesen Stellen die alte Malerei zerstört. Außerdem pickelte man die Wände auf, um einen neuen Putz auftragen zu können und versah ihn mit einer barocken Malerei. Die Kapelle erhielt den Vorbau und das Magdalelenfresko außen über dem Eingang, 1738 zelebrierte der Weihbischof v. Zirgenstein aus Konstanz eine feierliche Einweihung. In dieser Zeit, von 1736 bis 1741, war nach den Unterlagen des Leprosenfonds Andreas Mayer Gutleutpfleger. Sein Name wurde 1960 vom Restaurator Brodwolf über der Eingangstür entdeckt, blieb aber leider nicht erhalten.

Von bis wohnten die drei letzten als Leprakranke erkannten Sondersiechen im Haus. Auf dem Friedhof begrub man 1756 den wegen Unterschlagung enthaupteten Kupferschmied Josef Kaufmann. 1769 verlangte Vorderöstereich das bedeutende Vermögen mit dem Fond des Armenspitals zu vereinen.

erwarb der Erblehenbauer Josef Rinderle das Gutleuthaus durch Ersteigerung, riss es nieder und baute einen neuen Hof. 1804 erwarb er den Friedhof, 1827 die Kapelle. Sie wurde zu einem Waschhaus umgebaut, später als Brennerei benutzt. Die Wände überzog man mit einer dicken Putzschicht. Der Magdalenenaltar war in die Friedhofskapelle verbracht worden später in die Gotthardskapelle, wo er heute noch steht.

Im Wasch- oder Brennhaus des Rinderlehofes entdeckte Bürgermeister Dr. Eckart Ulmann die Malerei unter der Putzschicht. Mit Unterstützung vom Denkmalamt, Dekan Schmutz, Eigentümer Rinderle und der Stadt Staufen wurde die Kapelle wieder hergestellt. Die barocke Malschicht aus dem 18. Jh. ging bis auf die Bildnisse neben dem Chorfenster beim Ablösen der oberen Mörtelschicht verloren. Daruter kamen die Apostel und ihr Stifter Beisel aus dem 16. Jh. zum Vorschein. Das gotische Doppelfenster wurde freigelegt, sein Mittelpfosten ersetzt, die Holztür mit Anteilen von der alten nachgebaut, der Vorbau mit dem alten Material teilweise neuerrichtet. Das Ehepaar Brodwolf restaurierte die Malerei. Die gesamte Maßnahme betreute der Denkmalpfleger Martin Hesselbacher. Am 23.7.61 wurde die Kapelle durch Dekan Schmutz benediziert. Mangel an Betreuung brachte das Gebäude im Laufe der Jahrzehnte wieder in einen schlechten Zustand.

P. Schöttler


1996 erwarb der “Arbeitskreis Staufener Stadtbild e. V.” die Magdalenenkapelle samt Friedhof von der letzten Rinderle - Erbin und machte sich die Instandsetzung und deren Abwicklung zur Aufgabe. Der desolate Zustand der Kapelle erforderte umfassende und aufwendige Sanierungsmaßnahmen, die durch Zuschüsse des Landesdenkmalamtes, großzügige Spenden Staufener Bürgerinnen und Bürger und tatkräftige Hilfe des städtichen Bauhofes ermöglicht wurden. Die Staufener Handwerker machten engagiert mit, Herr Hirschbihl vom Erzbischhöflichen Bauamt übernahm die Baukontrolle.

Die bis auf halbe Höhe zugeschwemmte Rückseite wurde freigebaggert, dabei kam eine bis dahin unbekannte Stützmauer zum Vorschein. Auf die von Zementputz befreiten Außen- und Innenwände wurde Kalkputz aufgebracht, eine fachgerechte, umfassende Drainage angelegt, neue Seitenfenster eingesetzt, das Dach gründlich saniert, die Malflächen in der Kapelle stabilisiert, der Außenanstrich und Deckenanstrich erneuert. Der Friedhof wurde neu gestaltet. Fachgerecht restauriert wurden auch das Außenfresko, die Stuckdecke, sowie die neuentdeckte Stützmauer vor der Rückseite.

Zum Magdalenentag wurde am die Einweihung der Kapelle gefeiert.