Sankt Johanneskapelle

Sankt Johanneskapelle mit Bruderhaus und Kreuzweg.

Über der Stadt Staufen auf dem sog. “Waldbruderköpfle” des “Dürren Bucks” steht die Sankt Johanneskapelle mit Bruderhaus. Hinauf zur Kapelle führt ein Kreuzweg mit insgesamt vierzehn Stationen.

St. Johanneskapelle

Die einfach gehaltene Kapelle besteht aus einem rechteckigen Langhaus mit Satteldach und Türmchen. Der Besucher betritt die Kapelle durch eine Bogentüre an der sonst schmucklosen Westseite. Durch je zwei kleine, hochliegende Rundbogenfenster an den Längsseiten und ein Rundfenster im Westgiebel fällt Licht in die Kapelle. Gegenüber dem Eingang schließt sich hinter einem Torbogen mit schmiedeeisernem Gitter der drei Stufen höher liegende Chor mit Hochaltar und plattem, also ungerundeten Schluss an. Vor dem Altar bedeckt eine einfache Steinplatte mit Kreuz, aber ohne Namen und Datum, das Grab von Johannes Willi, der hier oben 1701 verstarb. Vom Chorraum aus gibt es einen direkten Zugang zum Bruderhaus, das im Südwesten rechtwinklig mit gleicher Firsthöhe angebaut ist. Der Saalraum und Chor haben ein Kreuzrippengewölbe, das nachträglich eingebaut wurde. In diesem Zuge wurde der zunächst mit einem runden Torbogen ausgestattete Durchgang zum Chorraum durch einen zum Gewölbe passenden Segmentbogen ersetzt. Später wurde nördlich des Chores wurde eine Grablege als 14. Station des Stationenweges angebaut. Hierzu wurde das einzige Chorfenster zugemauert. Das Grab liegt tiefer als die Kapelle und ist nur in gebückter Haltung durch eine tief liegende Bogentüre zu erreichen. Es zeigt den aufgebarten Leichnam Christi mit einem Tuch um die Lenden bekleidet.

Die uns bekannte Geschichte der Sankt Johanneskapelle beginnt mit der Zerstörung der Einsiedelei des Eremiten Johannes Willi bei der Sankt Gotthardkapelle im Jahr 1678. Die Stadt Staufen stellte Willi daraufhin im Jahr 1684 oberhalb der Stadt auf dem „Dürren Buck“ ein Platz im Wald zur Verfügung, um eine neue Einsiedelei zu errichten. Im Jahre 1685 (belegt durch die Jahreszahl auf dem Bogen über der Eingangstüre) erbaute dieser unter tatkräftiger Mithilfe der Staufener Bürgerschaft die Kapelle, die seinem Namenspatron, dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht wurde. Seither wird dieser Ort auch St. Johannesberg oder Waldbruderköpfle genannt, volkstümlich auch Josefle weil dort am 19. März, dem Josefstag, ein Gottesdienst gefeiert wurde.

Im Jahre 1739 wurde ein Stationenweg zur St. Johanneskapelle hinauf errichtet, teils mit kleinen Kapellen, teils mit Bildstöcken. Station XII ist das Kreuz vor Kapelle, Station XIII das Tafelbild mit Beweinung. Als Station XIV wurde an die Chornordseite der Kapelle ein “Heiliges Grab” angebaut. Stifter des Anbaus und der Grablege war der damalige Stadtvogt Kenel.

Im Jahre 1783 löst der aufgeklärte österreichische Kaiser Joseph II., Sohn der Kaiserin Maria Theresia, im Rahmen seiner Säkularisierungspolitik alle Einsiedeleien in seinen Landen auf. Der Breisgau mit der Stadt Staufen gehörte damals zu Vorderösterreich. Die Kapelle ging mit dem Bruderhaus in das Eigentum und die Verantwortung der Stadt Staufen über. Der letzte Waldbruder und Bürgermeistersohn Gervasius Hugard musste die Einsiedelei verlassen.

Willy Pragher: St. Johanneskapelle am 24. November 1963

Wie schon bei der Gründung haben sich die Staufener auch später um ihre Einsiedelei gekümmert. Im Jahre 1959 wurde das Innere der Kapelle auf Initiative des Stadtrates Albert Ganter unter Einsatz eigener, gespendeter und städtischer Gelder renoviert. Im Jahre 1965 wurde die Kapelle durch den Einsatz der Kolpingfamilie wiederum erneuert.

Am 17. September 2003 ging die Kapelle an den Arbeitskreis Staufener Stadtbild e. V. über, der sich der Erhaltung der Kapelle verschrieb.

Türmchen der St. Johanneskapelle während der SanierungsarbeitenZunächst wurde die Kapelle verformungsgerecht aufgemessen und dokumentiert. Restauratorische Untersuchungen dokumentierten die Verputze und Anstriche der Kapelle. Im Rahmen der folgenden Renovierung wurden zunächst Teile der Fundamente unterfangen um weitere Setzungen und Rissbildungen zu vermeiden. Nässeschäden im Bereich des Daches und die Übergangszone zwischen Mauerwerk und Dachgestühl wurden erneuert. Das Kreuzgewölbe musste gesichert, gesäubert und neu ausgefugt werden. Das Dach wurde mit den vorhandenen Biberschwanzziegeln und neuen Schindeln neu eingedeckt. Nach weiteren konstruktiven Maßnahmen wurde der Verputz erneuert und die Kapelle von innen und außen neu gestrichen.

Das Gestühl, der Altar, die Figuren und die Bilder wurden während der Renovierungsarbeiten gegen Schädlinge behandelt, gesäubert, ausgebessert und konserviert. Schließlich wurde die Eingangstüre restauriert.

Der Arbeitskreis Staufener Stadtbild konnte die Maßnahmen zur Sanierung der St. Johanneskapelle nur durch großzügige Zuwendungen von Privaten, Behörden und Organisationen ermöglichen. Durch tatkräftige Mithilfe und ihre Spenden haben viele Staufener Bürgerinnen und Bürger die Arbeit des Arbeitskreises unterstützt.